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Hallo und viel Spaß beim Lesen!


Inferno


Bis ich mich das erste mal mit Dantes divina comedia näher befasste, hatte ich die Theorie, dass Münchener schneller ins Paradies gelangen könnten als andere Menschen.
Diese Theorie rührte nicht etwa daher, dass der Anteil an Katholiken höher ist als in anderen Gegenden oder dass ich Münchner für besonders fromm oder rein oder sonst irgendwie paradieswürdiger halte, sondern vielmehr daran, dass Münchener, zumindest sofern sie auf die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel angewiesen sind, nach meiner Theorie währen der Wiesnzeit bereits einiges an Fegefeuerartiger Buße ableisten.

Die Qualen und Strafen, die man in dieser Zeit ertragen muss, sollten einem doch das eine oder andere Jahr Vorhölle auf dem Weg zum Paradies ersparen.
Allerdings, gibt es natürlich auch etliche Bewohner dieser Stadt, die gerade in dieser Zeit eher einiges an neuen Jahren zu ihrem Konto hinzufügen.

Betrachtet man die divina comedia allerdings etwas genauer, so legt einem diese eine völlig andere Theorie nahe.
Öffentliche Verkehrsmittel zur Wiesenzeit haben wenig mit dem Purgatorio Dantes gemein. Viel eher mit dem Inferno. Der Höllenkreis, in dem die ewig verdammten Schmeichler in Exkrementen waten müssen, kommt dem Zustand schon deutlich näher.
Mit stets wachen Augen die Umgebung beobachtend, um im rechten Moment zu Seite springen zu können, bewegt man sich durch die S-Bahn wie ein Verfolgter. Sitzen gleicht häufig tatsächlich dem Waten in Exkrementen.

München scheint eine Stadt voller Schmeichler zu sein, die allesamt auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen sind.
Die Wiesnzeit macht München zu einer Zweigstelle Dantes Inferno und alle Schmeichler sind dazu verdammt S-Bahn zu fahren.

Nur was mache ich hier? So schlimm bin ich doch gar nicht? ;-)


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üsch kommentierte am: 2010-11-22 10:04:13
Sollte man also für einen Quasigarantieschein für das Himmelreich nach St. Pauli ziehen?



caro kommentierte am: 2010-11-18 00:23:04
Bei den beschriebenen Zuständen kommen die Hamburger, die wochenends die S-Bahn, die St. Pauli und den Fischmarkt verbindet, noch vor den Münchnern in den Himmel. Da ist es ab 18 Uhr am WE immer so! Hier sind die Protestanten näher als die Katholiken am Fegefeuer!



Gise kommentierte am: 2010-09-25 16:28:33
In der Hölle hat vielleicht auch einfach die Stadtreinigung nicht genügend Kapazitäten. Und was hat die Stadtreinigung damit zu tun, wenn in meinem Abteil gleich zwei Leute lifekotzen?



Vicky kommentierte am: 2010-09-24 12:47:22
Ich stimme dem zu, es gleicht schon einem paradoxalen Spießrutenlauf wenn man an wunderschönen matt-sonnigen Herbsttagen mit klarer Luft und blauem Himmel in den den U-Bahn-Schacht absteigt und statt buntem Herbstlaub auf Kotze tritt. Das hat aber meiner Meinung nach nichts mit dem Vorgeschmack auf eine jenseitige Parallelwelt zu tun, sondern eher damit, dass die Stadtreinigung wohl nicht genügend Kapazitäten hat um überall gleichzeitig zu sein. Sehr irdisch.



Texte und Design Gisela Gerlach