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Hallo und viel Spaß beim Lesen!


Kampferprobt

Es gibt ein interessantes Phänomen, wenn mehrere Männer aufeinander treffen, die ihren Wehrdienst abgeleistet oder sogar verlängert haben. Sobald klar ist, dass sich zwei Exemplare dieser Spezies aufeinander treffen, wird genauestens geprüft, um was für ein Gegenüber es sich handelt.

War er ein Luftsack, Seesack oder Drecksack? KSK? Welche Zusatzausbildungen hat er? Wüste, Eis und spätestens dann steige ich regelmäßig aus weil dann nur noch Abkürzungen kommen deren Bedeutung ich mir zwar habe erklären lassen, die ich aber niemals wieder geben könnte.

Danach wird mit persönlichen Anekdoten und gemeinsamen Vorgesetzten eine Annäherung vollzogen.
Man(n) versichert sich gegenseitig, was für ein harter Kerl man doch ist, was man alles aushält und wie entspannt die Zeit nach der Grundausbildung dann war. Wer mehr Abkürzungen gesammelt hat ist härter und krasser und überhaupt. (Der Sieger in diesem Spiel in meinem Bekanntenkreis ist übrigens dann wieder ganz bescheiden, vermutlich allein schon weil seine Einsätze so geheim waren, dass er nicht darüber sprechen darf).


Ich habe dieses kleine Ritual bisher immer belächelt. Bis mir vor ein paar Jahren dann aufgefallen ist bzw. ich die Theorie aufgestellt habe, dass manche Frauen genau das gleiche haben.
Um genauer zu sein haben Mütter dieses Ritual. Und die Geburten sind dabei das Kriterium.
Treffen mehrere Mütter aufeinander und die Sprache kommt auf das Thema Geburt und die Mütter sind unter sich geht es los:
Natürliche Geburt mit oder ohne PDA, Saugglocke, Kaiserschnitt. Wehen wie lang? Gibt es Kampfverletzungen? Wo wie groß und in welcher Form, usw.

Danach wird mit Anekdoten über die Väter oder Kinder eine Annäherung vollzogen. Frau versichert sich gegenseitig was man geschafft hat und wie toll die Kinder doch sind und überhaupt.

Man kann da mitmachen oder es bleiben lassen. Auf jeden Fall, kann man es genauso belächeln.

Der Unterschied ist, denke ich, nur der, dass bei den Männern der „Unterlegene“ sich danach trotzdem wie ein ganzer Kerl fühlt, der an seine besondere Zeit des Kerl seins zurück denken kann.

Bei Frauen, fühlt sich die „Unterlegene“ dann wie der letzte Versager, weil sie nicht in der Lage war zum genauen Geburtstermin eine perfekte Geburt ohne PDA oder sonstige Hilfsmittel hinzulegen.
Dass sie in ihrem Körper trotzdem einen Menschen zusammengebaut hat, der ihr in der Regel lieb und teuer ist, vergisst sie dann womöglich sogar für einen Moment. Das ist nicht genug.

Warum eigentlich?

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Texte und Design Gisela Gerlach